• Spezialerwähnung des Jahres

    Wie üblich gibt es, bevor wir mit der Lieblingszeit aller beginnen (Top-10-Saison!), die traditionelle Ouvertüre: die Spezialerwähnung des Jahres. Wie in den letzten Jahren bei Black Sabbath und At The Gates geht sie erneut an eine Band, die seit Jahrzehnten eine Konstante in der Szene ist und nach wie vor zu den wichtigsten Einflüssen für neue Bands zählt. Natürlich spreche ich von niemand Geringerem als Slayer. Zusätzlich zum schmerzhaften Verlust ihres Gitarristen Jeff Hanneman haben sie sich auch noch von ihrem Drummer getrennt – als Teil der zuletzt sehr beliebten Seifenoper rund um Bands, die ihre Schlagzeuger rausschmeißen. Das Spektrum reicht dabei von scheinbar nicht ganz so schlimm (Black Sabbath) über ziemlich schlimm (Sólstafir) bis hin zu einfach nur herzzerreißend traurig (Cynic). Rein aus Drummer-Solidarität bin ich #teamlombardo, aber ich muss zugeben: 50 % Slayer sind immer noch besser als gar kein Slayer.

    Slayer – Repentless

    Aber ich verliere mich schon wieder, wollten wir nicht eigentlich über die Musik reden? Richtig. Also: Ist ein neues Slayer-Album 32 Jahre nach dem Debüt noch relevant? Einflussreich? Notwendig? Keine Ahnung. Ist es hörenswert, ein schöner, wütender Schritt nach vorne im Vergleich zum letzten Album und ein weiterer Grund, weiterhin auf ihre Konzerte zu gehen? Definitiv.

    Top 10

    Überfüllte Einkaufszentren, dieselben alten Songs im Radio, Familientreffen. Das ist Weihnachten, und wir wollen es vielleicht nicht wahrhaben, aber wir lieben es. Eine weitere Sache, die ihr vielleicht leugnen wollt, ist, dass die meisten von euch Weihnachten inzwischen wahrscheinlich nicht mehr vollständig genießen könnten ohne meine Jahresend-Top-10. Feiert! Sie ist da!

    Dieses Jahr hätte ich euch sehr gerne die brillanten Irreversible Mechanism aus Weißrussland vorgestellt, einem Land, das nicht gerade für eine lebendige Death-Metal-Szene bekannt ist, sowie Ouroboros aus Australien, die vor einigen Jahren mit einem sehr vielversprechenden Debüt große Erwartungen geweckt haben. Stattdessen muss ich sie – und euch – zunächst mit drei simplen, aber extrem wichtigen Regeln für den Einzug in meine exklusive Top 10 vertraut machen:

    1. Benutzt keine symphonischen Elemente im Death Metal.
    2. Benutzt überhaupt keine symphonischen Elemente, es sei denn, ihr seid Dimmu Borgir.
    3. Seid nicht Dimmu Borgir.

    Nachdem das nun geklärt ist, schauen wir mal, wer sich an die Regeln gehalten hat:


    Ohne Platzierung: Jack Frost – Mélaina Cholé
    Diese Band hat sich an die Regeln gehalten, aber ich muss noch eine weitere Regel einführen:
    Wenn ihr für meine Top 10 in Betracht gezogen werden wollt, bemüht euch bitte ganz stark, euer Album früher als zwei Wochen vor Weihnachten zu veröffentlichen. Ich muss sie trotzdem erwähnen, weil sie einfach zu gut sind, um ignoriert zu werden, und weil der lokale Underground diese Unterstützung verdient. Irgendwo zwischen Doom, Gothic und New Wave ist das Musik über ein gescheitertes Leben. Niederlage. Resignation. Aufgeben. Um 4 Uhr morgens allein an der Bar sitzen, kalter Rauch um dich herum, ein halb leeres Glas Whiskey in der Hand, und dem Barkeeper von diesem Leben erzählen. Nicht klagend, nicht akzeptierend, vielleicht ein bisschen ironisch darüber sprechend, was schiefgelaufen ist. Keine Band fängt dieses Szenario besser musikalisch ein.

    10. Nile – What Should Not Be Unearthed
    Ihr letztes Album enttäuschte viele Fans mit seiner sehr klaren und sterilen Produktion, was mich nicht besonders störte, da die Band genau das tat, was sie sollte: hörbar machen, was sie tatsächlich spielen. Und das ist bekanntlich verdammt viel Musik in erschreckend kurzer Zeit. Um Fans und Kritiker zurückzugewinnen, kehrten sie nun zu einer matschigeren Produktion und einem deutlich brutaleren Ansatz zurück. Und siehe da: Ich habe auch kein Problem damit, wenn Death Metal brutal ist. Allerdings hört man diesem Album Motivation, Entstehungsprozess und Zweck an, und so hängt es irgendwo zwischen den verschiedenen Facetten dieser Band fest. Nile biegen sich, aber sie brechen noch nicht. Außerdem sichert allein das Lead- und Solospiel im verlinkten Song ihnen einen Platz auf dieser Liste.

    9. Mgła – Exercises In Futility
    Alle einsteigen in den Hype-Zug? Diese polnische Band (angeblich „mgwa“ ausgesprochen, falls ihr euch gefragt habt) sorgt seit einigen Jahren für Aufsehen, besonders mit ihrem neuesten Werk, das es praktisch unmöglich macht, nicht über ihren Namen zu stolpern, und ihnen einen Platz auf unzähligen Jahresbestenlisten eingebracht hat. Zu Recht, denn es bietet einen erfrischenden Zugang zu Black Metal und vergisst – im Gegensatz zu vielen anderen Bands mit ähnlich trostloser Atmosphäre – nicht auf eingängige und melodische Riffs. Unkonventionell, kompromisslos und unbestreitbar gut.

    8. Ahab – The Boats Of The Glen Carrig
    Seit ihrem hochgelobten Debüt 2006 haben sie zwei weitere Alben veröffentlicht, ohne auch nur einen schlechten (oder auch nur durchschnittlichen) Song abzuliefern, während sie ihren Sound stetig weiterentwickelten. Dieses Mal haben sie es mit Post-Rock-, Sludge- und ähnlichen Experimenten vielleicht etwas übertrieben. Zum ersten Mal in ihrer Karriere gibt es durchschnittliche Songs, die ihr Ziel verfehlen und eher mäandern als fließen. Umso beeindruckender ist es, dass sie es in einem extrem starken Jahr für Funeral Doom Metal dennoch auf diese Liste schaffen.

    7b. Cryptopsy – The Book Of Suffering – Tome 1
    Ich schummle hier ein wenig, weil ich diese Veröffentlichung unbedingt einbeziehen muss, sie aber realistisch nicht mit einer 67-minütigen Funeral-Doom-Platte vergleichen kann. Also behandle ich diese 17-minütige Death-Metal-EP hier wie ein Album, ohne dafür ein anderes Full-Length rauszuwerfen. Musikalisch befinden sich Cryptopsy immer noch auf einer Art Wiedergutmachungstour nach ihrem… nun ja, dem Album-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf von 2008. Zum Glück tun sie wieder das, was sie am besten können und was Fans hören wollen: rasenden, ständig wechselnden, dabei erstaunlich eingängigen Technical Death Metal. Über die Vocals möchte ich eigentlich nicht jedes Mal sprechen, aber der „neue“ Sänger ist schlicht kein besonders guter Vokalist oder Texter. Alles klingt angestrengt und müde, also reden wir doch lieber über Flo Mounier, denn alles, was er am Schlagzeug macht, klingt natürlich und mühelos. Und er macht eine Menge.

    7. Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed
    Ich durchforste den Black-Metal-Underground nicht so systematisch wie den Death Metal, deshalb finde ich neue Bands nicht – ich stolpere über sie. Dieses Jahr bin ich über diese Truppe aus Flandern gestolpert, deren Mitglieder sich bereits in anderen Bands (Amenra usw.) und Genres einen Namen gemacht haben. Ich verstehe die Kritik an diesem Debüt bezüglich Wiederholung, Monotonie und Vorhersehbarkeit, aber solange es funktioniert, ist das für mich in Ordnung. Und es funktioniert. Es erzeugt eine einzigartig dichte Atmosphäre. Ich halte das weder für eine weitere Post-Rock-Band, die Black Metal spielen will, noch für ein One-Hit-Wonder. Allerdings ist der überragende Opener tatsächlich ein monumentales Biest von einem Song und gehört zu den intensivsten des Genres.

    6. Cattle Decapitation – The Anthropocene Extinction
    Ich werde nicht behaupten, dass ich den Durchbruch von Cattle Decapitation ausgelöst habe, aber ich hatte ihr Album des Jahrzehnts, Monolith Of Inhumanity, 2012 auf Platz 1 – und es wurde ein großer Erfolg. Zufall? Ich denke nicht. Nachdem sie sich musikalisch mit jedem Album weiterentwickelt und experimentiert haben, versuchen sie nun allerdings zu sehr, die erfolgreiche Formel zu kopieren und all das zu wiederholen, was das letzte Album so herausragend machte – nur ohne das vermeintliche „Füllmaterial“. Genau dieses Fundament hat die Musik jedoch zusammengehalten und den Highlights Raum gegeben. Hier werden wir mit konstruierten Highlights bombardiert. Die einzelnen Songs funktionieren und machen das Album wirklich gut, aber eben nicht mehr ganz so neu, nicht mehr ganz so frisch und ein kleines bisschen weniger spannend.

    5. My Dying Bride – Feel The Misery
    Manchmal müssen wir aufhören, so zu tun, als wären wir alle erwachsen, und einfach das 15-jährige Gothic-Mädchen in uns umarmen. Für genau diese Momente ist My Dying Bride die ultimative Anlaufstelle. Eine Band, die sich weiterentwickelt hat, aber im Vergleich zu ihren britischen Kollegen immer noch am nächsten am frühen Death/Doom der frühen Neunziger ist. Klagender Gesang, wütende Growls, wunderschöne Melodien und diese geisterhafte Violine – alles ist wieder da. Warum ich mit ihrem letzten Album nicht warm geworden bin, weiß ich selbst nicht so genau, aber dieses hier packt mich wieder voll. Passenderweise trägt es den Titel Feel The Misery. Apropos großartige Songtitel: Was möchtet ihr hören – „I Celebrate Your Skin“ oder „I Almost Loved You“? Ich könnte in all diesen Klischees baden, es ist nicht mal mehr lustig …

    4. Marduk – Frontschwein
    In den letzten Jahren ist Hipster-Black-Metal zu einem Ding geworden. Oder Post-Black-Metal, wie sie es nennen. Kein Corpsepaint, kein Image, nur ach so tiefgründige Kunst. Emotionale Musik mit emotionalen Texten. Und dann gibt es Marduk. Kriegsmusik mit Kriegstexten. Seit 25 Jahren machen sie ihr Ding, und es ist ihnen immer noch egal. Thematisch kehren sie mit diesem Album zum Zweiten Weltkrieg zurück, was ihnen gut steht. Mortuus liefert erneut eine unmenschliche Gesangsleistung ab, und die Musik wechselt sich diesmal fast zwischen langsamen und schnellen Songs ab – alle gleichermaßen gnadenlos. Wenn ihr Marduk bisher nicht mochtet, wird dieses Album eure Meinung nicht ändern. Wenn ihr ihr Konzept etwas albern findet, werdet ihr das vermutlich weiterhin tun. Aber wenn ihr manchmal einfach aufhören wollt zu denken, zu grübeln, zu bewerten, und stattdessen kompromisslosen Black Metal hören wollt – roh, direkt und ohne Schönfärberei –, führt kein Weg daran vorbei.


    Zwei Bands, die ich dieses Jahr fest als Nummer-1-Kandidaten eingeplant hatte, haben ihre Alben leider auf nächstes Jahr verschoben. Das bedeutet nicht nur, dass ich vermutlich schon weiß, was nächstes Jahr ganz oben stehen könnte, sondern auch, dass diesem Jahr – trotz der enormen Qualität – das eine bedingungslose Album des Jahres fehlt.

    Also lasst uns auf den Podestplätzen einfach Death Metal als Ganzes feiern. Erinnert ihr euch daran, wie wir vor ein paar Monaten 30 Jahre dieses Genres gefeiert haben? Wisst ihr noch, wie das klang? Hört euch die Musik an, die nun folgt, wie sie sich über die Jahre entwickelt hat, und schätzt, wozu der menschliche Geist fähig ist.


    3. Abhorrent – Intransigence
    Der Name „Spawn Of Possession“ sollte euch bereits sabbern lassen – und ebenso die Tatsache, dass deren Bassist auch hier mitspielt. Er ist einer der Besten seines Fachs und hat keinerlei Angst, das zu zeigen. Dazu kommen der ehemalige Drummer von The Faceless sowie einige namhafte Gastauftritte. Aber es sollte nicht ums Namedropping gehen, sondern um die hervorragenden Fähigkeiten, die hier für eingängiges und effektives Songwriting genutzt werden. Ist das außergewöhnlich anders oder besser als das, was unzählige ähnliche Bands machen? Nein, das kann ich ehrlich gesagt nicht behaupten. Aber es ist hervorragend umgesetzter, schnörkelloser Technical Death Metal, und in einem Jahr, das meine Erwartungen nicht ganz erfüllt hat, vergebe ich dafür gerne die Bronzemedaille.

    2. Abyssal – Antikatastaseis
    Ich bin kein besonders großer Fan von Bands wie Portal, die in den letzten fünf bis zehn Jahren so populär geworden sind, da sie sich für meinen Geschmack oft zu sehr auf Atmosphäre verlassen und dabei gute Riffs vernachlässigen. Diese Band hat bereits mit ihrem letzten Album gezeigt, dass sie beides kann, und tut es hier erneut. Sie ziehen dich vielleicht in den tiefsten Abgrund des Grauens, nur um dich im nächsten Moment mit einem plötzlichen Ausbruch seltsam genießbarer Riffs zu überwältigen – oft eingängig, fast melodisch, dabei aber immer tiefschwarz im Gefühl. Wie schon auf dem Vorgänger sparen sie sich das Beste für den Schluss auf: ein Song, der zehn Minuten lang eine toxische, feindselige Atmosphäre aufbaut, nur um dann in zwei absurd glücklichen, tanzbaren Minuten zu explodieren. Wir gehen vielleicht unter – aber wir gehen tanzend unter.

    1. Gorod – A Maze Of Recycled Creeds
    Manche Menschen denken, Death Metal sei laut und brutal – und manchmal ist er das und muss es auch sein. Aber sehr oft ist er es eben nicht. Hört euch einfach dieses Album an, das vor Melodie nur so trieft, ständig die Richtung wechselt, unterschiedlichste Einflüsse kombiniert, jazziges Schlagzeugspiel, kreative Riffs und alles in stringentes Songwriting packt. Natürlich wird das Ganze mit einer geradezu unfassbaren instrumentalen Virtuosität dargeboten.

    Andere wiederum behaupten, diese Art von Technical Death Metal sei ungenießbar, weil sie sich zu sehr auf musikalisches Können konzentriere. Erstens: Ja, manchmal tut sie das – und manchmal muss sie das auch. Zweitens: Manchmal ist sie dabei einfach extrem unterhaltsam, eingängig und die ultimative Feel-Good-Party-Musik.

    Fazit: Wenn es um Emotionen geht, stimme ich zu, dass Black- oder Doom-Metal oft die bessere Wahl sind. Aber rein musikalisch betrachtet ist Death Metal das bessere Genre, und ich erkläre diese Aussage hiermit zur unumstößlichen Tatsache.

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    At The Gates – At War With Reality

    Bitte anschnallen, es ist Top-10-Zeit! Naja, noch nicht ganz, ich muss mir noch einen Haufen Platten anhören, aber hier ist zumindest die diesjährige Spezialerwähnung. Ähnlich wie Black Sabbath im letzten Jahr waren auch At The Gates maßgeblich daran beteiligt, ein neues (Sub-)Genre des (Death) Metal zu erschaffen, und das zu einer Zeit, in der Death Metal bereits zum Sterben freigegeben war und Grunge als der neue, innovative und angeblich ewig währende Trend in der Musik galt. Heute ist Death Metal lebendiger denn je, und Grunge – nun ja, „de mortuis nil nisi bene“, wie man so schön sagt.

    Nach ihrer Vier-Jahre-vier-Alben-Karriere und der Schaffung neuer Stile innerhalb und knapp außerhalb des Metal löste sich die Band auf, fand sich vor ein paar Jahren für einige Liveshows wieder zusammen und entschied sich schließlich, uns mit einem neuen Album zu belohnen. 19 Jahre nach ihrem letzten, bahnbrechenden Album (zum Vergleich: 18 Jahre zwischen Sabbaths letzten Alben) und in einer Zeit, in der ihre Göteburger Mitstreiter Dark Tranquillity in der Regression verloren sind und In Flames in der Progression gefangen, gedeihen nur At The Gates weiterhin in der Kreation.

    Und doch scheint sich nichts geändert zu haben: die Twin-Gitarren sind immer noch da, der markentypische Triolen-Slayer-Beat, das melancholische Gefühl und irgendwie klingt trotzdem alles frisch und neu. 2014 war gut.

    Top 10

    Niemand wird es je zugeben, aber ich bin mir sicher, dass dies der Moment ist, auf den ihr das ganze Jahr über heimlich wartet: meine persönlichen Top 10 der Musik des Jahres 2014. Ursprünglich hatte ich vor, mich schreibtechnisch etwas zurückzuhalten, um das Ganze für uns alle zu einem kürzeren Abenteuer zu machen, aber hey, es war so ein gutes Jahr, ich konnte einfach nicht anders. Und ja, ich weiß, ich gehöre zu den Leuten, die jedes Jahr als eines der besten überhaupt ausrufen, also weiß ich nicht so recht, wie ich euch sagen soll, dass dieses Jahr wirklich etwas Besonderes war. Vielleicht, indem ich nicht über die Musik spreche, die hier vertreten ist, sondern über die, die es nicht auf die Liste geschafft hat: darunter eine Band mit einem Konzeptalbum zu Goethes Faust, eine Band mit einem Song über Ötzi und natürlich die Ol’ Reliable des Death Metal – ja, das war eine SpongeBob-Referenz – Cannibal Corpse.

    Also: Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, und ich schätze euren Input.

    10. Fallujah – The Flesh Prevails

    Ich wollte eigentlich ein paar Worte über die Musik dieser Band schreiben und darüber, warum ich sie in diese Liste aufgenommen habe. Stattdessen möchte ich euch einen kurzen Einblick in die Denkweise moderner Metal-Hörer geben. Metal ist vermutlich eines der elitärsten Genres überhaupt, was bedeutet, dass eine Band, die man einst mochte, sofort fallen gelassen wird, sobald sie zu populär wird oder Einflüsse aus populären Genres integriert – und kurz darauf als der ultimative Krebs der Musik bezeichnet wird. Nun, nein, so schlimm ist das hier nicht. Ja, es zeigt ein paar Shoegaze-Einflüsse und kombiniert diese mit modernem Technical Death Metal, alles in einem klinischen, überproduzierten Sound, aber es macht die Sache tatsächlich sehr gut. Es ist aber auch nicht das absolute Meisterwerk und die Revolution des modernen und progressiven Metal, wie die andere Seite meint. Also beruhigt euch einfach alle und hört es euch an.

    9. Behemoth – The Satanist

    Ist es notwendig, ein Album „The Satanist“ zu nennen, wenn man bereits eines hatte, das „Satanica“ hieß? Ist es notwendig, den Stil auf nahezu jedem neuen Album zu ändern? Sich nun mehr denn je auf den Song selbst zu konzentrieren statt auf den teils technischeren oder brutaleren Stil früherer Alben? Den Death Metal hinter sich zu lassen und zu etwas zurückzukehren, das man bald fast Black’n’Roll oder vielleicht Black-Metal-Motörhead nennen könnte? Auf all das: Ja, ist es.

    8. Nero Di Marte – Derivae

    Indem sie die Atmosphäre von Bands wie Gorguts oder Ulcerate weiter ausarbeiten und mit einem weniger extremen, großteils klargesungenen Ansatz verbinden, verstehen sie es immer noch, relativ eingängige Songs zu schreiben. Ich habe es schon letztes Jahr zu ihrem Debüt gesagt und sage es wieder: Das ist es, wofür das „progressiv“ in Progressive Metal stehen sollte. Nebenbei bemerkt: Ähnlich wie Death-Metal-Bands aus Québec auf fast jedem Album obligatorisch einen Song auf Französisch haben, gibt es hier nun gleich zwei Songs auf Italienisch.

    7. The Kennedy Veil – Trinity Of Falsehood

    Um in diesem Jahr überwältigender Produktivität im Death Metal Ordnung zu halten, musste ich ein paar Regeln aufstellen, um Bands auszusortieren und ein Ranking überhaupt möglich zu machen: Wenn du deinen Punkt nicht in 45 Minuten rüberbringen kannst, hast du keinen Punkt. Und der Punkt dieses Albums ist nichts Ausgefallenes, nichts Proggiges, sondern einfach ein schlichter Faustschlag ins Gesicht. Die Musik, mit der dieser Schlag ausgeführt wird, ist allerdings alles andere als schlicht. Ziemlich technisch, geschmackvoll brutal, mit effektiven Riffs und einprägsamem Songwriting.

    6. Archspire – The Lucid Collective

    Apropos große Namen, die fehlen: Eine Band, die man vermissen könnte, ist Origin. Das erklärt sich leicht durch eine zweite Regel für dieses Jahr: Keine Soli, keine Top 10. Ein weiterer Punkt, der diese junge Band von Origin unterscheidet, ist ihr Sänger, der definitiv der schnellste ist, den ich kenne. Normalerweise werden solche Bands dafür kritisiert, dass sie sich zu sehr auf das Zurschaustellen von Geschwindigkeit und technischer Fähigkeit konzentrieren, statt auf – sagen wir – leichte Hörbarkeit. An diese Leute: do you even sweep?

    5. Primordial – Where Greater Men Have Fallen

    Je mehr das Black in ihrem Black/Pagan Metal zurückging, desto größer wurde ihre Popularität – gipfelnd in zwei Durchbruchsalben und einem weiteren, das zwar keineswegs schlecht war, mich aber fragen ließ, ob sich eine Band, die so sehr auf Veränderung aufgebaut war, nun in ihrer Komfortzone einrichten würde. Zum Glück tut sie das nicht. Screams und Blasts sind fast vollständig verschwunden und machen Platz für Emotionen, die schon immer ein zentrales Merkmal der Band waren und nun ihre wichtigste musikalische Identität darstellen. Was früher nach wütender Verzweiflung klang, hört sich für mich heute nach majestätischer, epischer und irgendwie müder Traurigkeit an. Außerdem enthält das Album einen ihrer besten Songs überhaupt.

    4. Alterbeast – Immortal

    Es ist 2014, und die Leute fragen sich immer noch, ob es jemals ein weiteres Necrophagist-Album geben wird. Mir ist das mittlerweile (fast) völlig egal. Die Anzahl der Bands, die sie beeinflusst und inspiriert haben, ist überwältigend, und man muss nur genau genug hinschauen, um die guten darunter zu finden. Mischt man noch ein wenig The Black Dahlia Murder hinzu, gehört dieses Album definitiv zu den besten. Hipster-Bonus: Mögt sie jetzt, und ihr könnt später sagen, dass ihr sie mochtet, bevor es cool war. Und bei so einem vielversprechenden Debüt wird es sehr bald sehr cool sein, sie zu mögen.

    3. Beyond Creation – Earthborn Evolution

    Ihr Debüt vor drei Jahren schlug sofort ziemlich ein und rief auf der einen Seite den Zorn der Puristen hervor, die die übertrieben technische Zurschaustellung verdammten, und auf der anderen Seite den Jubel der Spiel-viele-Noten-in-kurzer-Zeit-Nerds. Ich gehöre eindeutig zur zweiten Gruppe, und dieses Album enttäuscht in Sachen technischer Fähigkeiten kein bisschen. Allerdings setzen sie diese ein, um guten, kreativen und abwechslungsreichen Death Metal zu schreiben, und nicht nur, um uns eine Vorstellung davon zu geben, wie viel Zeit sie mit Üben verbringen. Wobei: Wenn ihr euch vorstellen wollt, wie sie üben, hört einfach Québecs Bass-Messias Dominic Lapointe zu.

    2. Dornenreich – Freiheit

    Manchmal mag ich Musik genauso, wie ich die Menschen um mich herum mag: ehrlich, authentisch, unkompliziert und ruhig. Dieses Album ist all das und noch so viel mehr. Auf ihrem letzten Album reaktivierten sie den Black Metal, für den sie einst bekannt waren, und kombinierten ihn mit ihrem neueren Stil. Hier hingegen ist Metal – mit Ausnahme eines Songs – wieder verschwunden, und stattdessen gibt es Akustikgitarre, Violine, gesprochene/geflüsterte (und wunderschön geschriebene) Texte und hey, manchmal sogar Schlagzeug. Nichts, aus dem man sofort Hits bekommt, aber etwas, das langsam und stetig wächst.

    1. Cynic – Kindly Bent To Free Us

    Ich bin bei diesem Album tatsächlich sehr unentschlossen. Vor drei Jahren habe ich an genau dieser Stelle gesagt, dass alles, was das Duo Masvidal/Reinert anfasst, zu Gold wird – und dazu stehe ich immer noch. Allerdings entfernen sie sich immer weiter in Gefilde, in denen ich mich nicht mehr ganz so daheim und wohl fühle. Ihr legendäres Debüt von 1993, das Death Metal ohnehin schon nur als Leinwand für ihr Jazz-/Fusion-Gemälde nutzte, klingt im Vergleich zu dem, was sie hier zeigen, beinahe lächerlich hart und brutal. Wie bereits vom Zweitling und den beiden folgenden EPs angedeutet, verabschieden sie sich nun vollständig vom Metal und lassen uns mit einer Art Jazz/Fusion/70er-Prog-Rock/irgendwas zurück. Ich verstehe es nicht. Ich liebe es.

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  • Spezialerwähnung des Jahres

    Black Sabbath – 13

    Bereit für die diesjährigen Top 10? Ich leider noch nicht, aber ich kann euch bereits erzählen, dass ich die lange erwartete Rückkehr der Großmeister höchstselbst nicht inkludiert habe, aus dem einfachen Grund, dass sie Black Sabbath sind. 43 Jahre (ja, dreiundvierzig) nach ihrem Debüt, 43 Jahre nach dem Entzünden eines ewigbrennenden Feuers, 18 Jahre nach ihrem letzten Album und 35 Jahre nach ihrem letzten Album mit Ozzy Osbourne. Diese Band hat schon Musik gemacht, als noch niemand außer vielleicht einer aus den folgenden Top 10 überhaupt geboren war. Black Sabbath bewertet, reiht und beurteilt man nicht. Bei Black Sabbath bedankt man sich. Danke!

    Top 10

    Na dann, ich begrüße die fünf bis sechs Leute unter euch, die hier nicht schon längst weitergescrollt haben, zu meinen traditionellen Top 10 des Jahres 2013. Ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran, aber ich hab (erfolglos) auf ein Album gewartet, das sich als schwieriger und langsamer zu kriegen herausgestellt, als man denken würde. Wie auch immer, davon profitiert immerhin mindestens eine Band – und selbst ohne diesen Kandidaten war dieses Jahr immer noch extrem gut. Vor allem im Death Metal, was für mich gut ist, für euch vielleicht nicht ganz so sehr. Nichtsdestoweniger gibt es vermutlich drei Bands, die auch für Nicht-Metal-Hörer interessant sein könnten, und natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, zu jedem Album ein paar Worte zu schreiben, damit ihr herausfinden könnt, was man gefahrlos hören kann und was man vielleicht besser meiden sollte.

    10. Wormed – Exodromos

    Apropos Meiden: Wenn Menschen – sogenannte normale Menschen – an Metal oder Death Metal denken (sie machen da in der Regel keinen Unterschied), sagen sie, dass sie das nicht genießen können, weil es ja nur Lärm sei und der Sänger wie ein Irrer herumschreie. Vielleicht meinen sie genau das hier, wenn sie so etwas sagen. Hört euch einfach diese Vocals an – schön, oder?

    9. Hamferd – Evst

    Um meine Wertschätzung für die zwei oder drei von euch zu zeigen, die jetzt noch dabei sind, kommt als Nächstes vielleicht eine Hipster-Band nach eurem Geschmack. Ihr denkt, es gäbe keine Trends oder Hipster im Metal? Oh doch, die gibt es. Und was muss eine Hipster-Band erfüllen? Neu sein. Unbekannt sein. Skandinavisch sein, am besten isländisch oder färöisch. In der eigenen Muttersprache singen. Und dieses (färöische) Doom-Metal-Projekt erfüllt all das. An ihren Growls könnten sie noch etwas arbeiten, aber die Clean Vocals sind definitiv hörenswert. Deshalb – und weil ich so nett bin – habe ich einen Song (eigentlich zwei) ohne Growls ausgewählt. Empfohlen für Fans von Swallow The Sun, Sólstafir, vielleicht Mourning Beloveth und Hipster aller Art. Ja, das schließt dich mit ein.

    8. Nocte Obducta – Umbriel (Das Schweigen zwischen den Sternen)

    Zwei Jahre nach ihrem Reunion-Album sind die Könige des deutschen Black Metal wieder zurück – und sie bleiben auf dem Thron. Auch ohne Black Metal zu spielen. Oder überhaupt Metal, um genau zu sein. An manchen seltenen Stellen hört man noch ihre Wurzeln, aber hauptsächlich ist es eine ziemlich einzigartige Mischung aus Ambient, Avantgarde und dem, was vom Metal noch übrig ist. Ein perfektes Beispiel für ihre Fähigkeiten ist dieser über 14 Minuten lange Song. Klingt langweilig? Mit nur einer Hauptmelodie? Noch langweiliger? Nicht, wenn man weiß, wie man Songs schreibt und wie man eine einzige Melodie immer wieder verändert, versteckt, zurückbringt und dabei nie den Fokus verliert. Die Texte sind übrigens wie immer fantastisch.

    7. Pyrexia – Feast Of Iniquity

    Antimoderner, antimelodischer, antiprogressiver Death Metal mit nur einem Ziel: Dir in den Arsch zu treten. Und Junge, dieses Album tritt verdammt kräftig zu. Interessant ist, dass von den drei NYDM-Veteranen, die dieses Jahr ein neues Album veröffentlicht haben, ausgerechnet diese – die am wenigsten bekannte, am wenigsten erfolgreiche und am wenigsten aktive Band – es in die Top 10 schafft, während die anderen es nicht tun. Völlig zu Recht noch dazu. Ach ja, und habe ich schon erwähnt, wie sehr das hier in den Arsch tritt?

    6. Funeralium – Deceived Idealism

    Bei manchen Alben hier fällt es mir nicht so leicht zu entscheiden, ob ich das Hören empfehlen kann. Hier ist es sehr einfach: Hör es nicht. Lass es einfach. Wenn sich eine Funeral-Doom-Metal-Band namens Funeralium selbst als „Ultra Sick Doom“ bezeichnet, könnt ihr euch wohl ungefähr vorstellen, worum es geht. Durchdringende Dunkelheit, die dich in Hoffnungslosigkeit einhüllt und dich taub und erschöpft zurücklässt. Natürlich kann sie dich auch mit beruhigender Schönheit belohnen, aber so ist das nun mal mit mancher Medizin – manchmal ist es schwer zu sagen, was Haupt- und was Nebenwirkung ist.

    5. Nero Di Marte – Nero Di Marte

    Guter Metal aus Italien? Niemals! Aber ich bin ja immer dafür offen, überrascht zu werden, und diese Band hat mit ihrem Debütalbum unter neuem Namen nicht nur mich überrascht. Also, was haben wir hier? Progressive Metal – aber lasst mich das erklären, denn bei diesem Begriff denken viele sofort an Dream Theater, die offensichtlich überhaupt nicht progressiv sind. Wir haben grob gesagt eine Mischung aus Death Metal, Power Metal, Sludge und Jazz oder, einfacher gesagt: Progressive Metal, der diesen Namen wirklich verdient.

    4. Mourning Beloveth – Formless

    Bevor wir in die reinen Death-Metal-Top-3 eintreten, ist dies vermutlich das letzte Album von interkultureller Schönheit. Wenn ihr euch mit dieser Band oder dem Genre Death/Doom Metal auskennt, braucht ihr keine große Einführung; wenn nicht, versuche ich es kurz zu beschreiben. So langsam, wie es nur sein kann, ohne dabei den konstanten Fluss und die innere Geschlossenheit zu verlieren – und damit offen nicht nur für Abenteurer wie sein Bruder mit der Funeral-Bezeichnung. Dieses Album ist voller herzzerreißender Melodien, unglaublich schöner Clean Vocals, eindringlicher gesprochener Passagen und mir-gehen-die-Adjektive-aus-Growls, die mächtig und schlicht überwältigend sind. Der ausgewählte Song vereint all diese Eigenschaften und sollte euch seine erschütternde Schönheit vor Augen führen. Nehmt euch Zeit. Ich schließe die Beschreibung mit einem direkten Zitat aus einem anderen Song: „This place is for people who like the way down.“

    3. Gigan – Multi-Dimensional Fractal-Sorcery and Super Science

    Bei einem Titel wie diesem erwartet ihr vielleicht schon etwas Seltsames und Abgedrehtes. Und ihr liegt richtig. Death Metal ist heutzutage riesig, weit verbreitet und kommt in unzähligen Spielarten – und Bands wie diese sind der Grund, warum ich dieses Genre einfach lieben muss. Intelligent, mutig, progressiv, fokussiert, technisch und wunderschön abwechslungsreich. Ein Name, den man sich merken sollte.

    2. Ulcerate – Vermis

    Manchmal könnte man fast Mitleid mit Neuseeland haben, so weit weg am falschen Ende der Welt und nicht einmal Kängurus. Immerhin hat „Der Herr der Ringe“ ihnen etwas Aufmerksamkeit verschafft, aber sie haben noch mehr zu bieten: nämlich einen der Gründe, warum Death Metal von vielen als lebendiger denn je angesehen wird. Der Titel „Vermis“ ist Latein für „Wurm“ und bezeichnet zugleich einen Teil des Gehirns, was diese Musik bereits besser beschreibt, als ich es je könnte. Dieses Album ist ein Wurm, der sich in dein Gehirn frisst und nicht mehr loslässt, bis er alles darin durch pure Negativität ersetzt hat. Das monotone Röhren mag von manchen kritisiert werden, aber meiner Meinung nach verstärkt es nur die trostlose Atmosphäre und die schiere Intensität dieser Platte. Dieses Album mag dich nicht. Es lehnt dich ab. Es bekämpft dich. Es schlägt dich. Hochgradig ungenießbar. Hochgradig empfehlenswert.

    Noch dabei? Irgendwelche Meinungen bisher? Zustimmung? Widerspruch? Nein? Na gut, dann los:

    1. Gorguts – Colored Sands

    Vor 15 Jahren definierten Gorguts mit ihrem legendären „Obscura“ neu, was Death Metal sein kann. Vor 12 Jahren veröffentlichten sie ihr letztes Album, und seitdem nutzten unzählige andere Bands aus Death- und Black Metal die „Obscura“-Formel in ihren jeweiligen Spielarten. Endlich kam die heiß erwartete Reunion zustande, und ein neues Album wurde angekündigt. Die Kritiker standen bereits bereit und badeten in ihrer Selbstgerechtigkeit, um Gorguts dafür zu kritisieren, dass sie entweder a) Obscura II oder b) eben kein Obscura II machen würden. Stattdessen scharte Luc Lemay drei hochkarätige neue Musiker um sich, um „Colored Sands“ aufzunehmen – ein Album, das einerseits den Entwicklungen im Extreme Metal der letzten Jahre Tribut zollt und andererseits den charakteristischen Gorguts-Sound bewahrt. Die Texte handelten zunächst von Mandalas (zweifellos das deathmetalligste aller Themen) und entwickelten sich schließlich zu einem Konzeptalbum über tibetische Kultur und Geschichte. Neben einem Instrumentalstück, das ausschließlich ein Streichquartett verwendet und in dem Luc seine musikalischen und kompositorischen Fähigkeiten auch außerhalb des Metal beweist, findet ihr hier wirklich alles, was Death Metal heutzutage so spannend macht. Tretet einen Schritt zurück und salutiert der Rückkehr des Königs.

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  • Spezialerwähnung des Jahres:

    Julia Stone – By The Horns

    Einfach, langsam und einfach schön. Überraschend? Nein, eigentlich nicht. Ziemlich gutes Album, hat es aber knapp nicht in meine Top 10 geschafft. Aber wer hat? Bald …
    Beispielsong: I’m here, I’m not here

    Los geht’s, gern kommentieren:

    10. Cannibal Corpse – Torture

    In einer sich ständig verändernden Welt kann man sich auf eines verlassen – gute Alben von Cannibal Corpse. Und auch heuer liefern sie wieder ein Musterbeispiel ihrer typisch aggressiven, humorlosen und brutalen Herangehensweise an Death Metal.
    Beispielsong: Demented Aggression

    9. Ne Obliviscaris – Portal Of I

    Sie einfach nur als die Opeth des Black Metal zu bezeichnen, mag zwar verlockend sein, ist aber trotzdem nicht ganz richtig. Ich (und angesichts der weltweiten Reaktionen bin ich da nicht alleine) habe noch nie so etwas wie das brillante Debüt dieser australischen Neulinge gehört. Progressive Songstrukturen und Musik auf einem Black-Metal-Fundament mit sowohl schnellem Shredding als auch langen akustischen Passagen, Schrei- und Klargesang und als wäre das nicht genug: eine Violine als das melodietragende Instrument. Großartig.
    Beispielsong: And Plague Flowers The Kaleidoscope

    8. Cryptopsy – Cryptopsy

    Der Peyton Manning des Death Metal kehrt nach einem verlorenen Album zurück und kommt sofort in die Top 10/Playoffs), wohl hauptsächlich aufgrund des Kurzzeit-Comebacks von Jon Levasseur. Leider haben sie es nicht in die Super Bowl geschafft (und ich hoffe die Analogie endet hier), aber mit dem Ersatz von Jon durch Youri Raymond mache ich mir darüber keine Sorgen. Lasst ihn einfach auch die Vocals machen, schmeißt den jetzigen Sänger raus und alles ist wieder möglich.
    Beispielsong: Red-Skinned Scapegoat

    7. Antimatter – Fear Of A Unique Identity

    Zu schnell? Okay, ich habe etwas für euch. Nimm von Musik alles weg. Reduziere sie auf die Kernkomponenten eines Mannes, seiner Stimme und erstickender Schönheit. Dunkel, hoffnungslos und wieder mit mehr elektronischen Trip-Hop-Einflüssen als der Vorgänger. Verantwortungsvoll genießen.
    Beispielsong: Fear Of A Unique Identity

    6. Lunar Aurora – Hoagascht

    Black Metal funktioniert auf Norwegisch, muss er ja. Er funktioniert ganz offensichtlich auf Englisch und auch wunderbar auf Deutsch. Aber funktioniert er im vertrauten bayerischen Dialekt? Hört es euch an, und sagt es mir.
    Beispielsong: Sterna

    5. Enslaved – Riitiir

    Ein neues Enslaved-Album, na gut, das einzig Bekannte ist, dass es etwas Arbeit erfordern wird. Schwer zu durchschauen, schwer zu beschreiben. Progressiver Black Metal mit Spuren und Ideen aus allen möglichen Einflüssen. Die klaren Vocals sind hier dominanter als je, und das ist keineswegs eine schlechte Sache. Komplex und herausfordernd, aber irgendwann faszinierend und belohnend.
    Beispielsong: Roots Of The Mountain

    4. Ahab – The Giant

    Immer noch zu schnell? Gut, ich verspreche, dass euch das zu langsam ist. Die deutschen Meister des Funeral Doom kehren mit ihrem dritten Album zurück und liefern ein weiteres Stück alles zermalmende Dunkelheit, während sie sich weiterhin leicht verändern, um das Dargebotene interessant zu halten. Niemand hat und wird Ebbe und Flut je besser in Musik verwandeln. Zerstörerisch, schwer, unerbittlich und doch so wunderschön.
    Beispielsong: Antarctica The Polymorphess

    3. Katatonia – Dead End Kings

    Wir werden ein bisschen schneller, aber ironischerweise mit einer Band, die den Metal seit Jahren verlassen hat. Ihr letztes Album „Night Is The New Day“ ist ein Meisterwerk, das vielleicht unerreichbar bleibt, aber sie haben es beinahe geschafft, Schritt zu halten. Berührende Melodien, distanziert schwebender Gesang und diese herzzerreißende Melancholie, zu der vielleicht nur Katatonia fähig ist.
    Beispielsong: Ambitions

    2. Nile – At The Gate Of Sethu

    Für eine Band, die schon ganz oben ist, stellt sich irgendwann die Frage, wohin es noch weiter gehen soll. Nile haben sich dafür entschieden, an der Spitze zu bleiben, indem sie einen weiteren – ungewöhnlichen – Growlstil hinzufügten und die Songstrukturen für ein kompakteres Album kürzten und etwas vereinfachten. Alles andere ist selbstverständlich weit davon entfernt, vereinfacht zu sein, und die kristallklare Produktion lässt einen alles hören, was gespielt wird. Und das ist viel. Und schnell. Sehr. Schnell.
    Beispielsong: The Gods Who Light Up The Sky At The Gate Of Sethu

    1. Cattle Decapitation – Monolith Of Inhumanity

    Einer der besten Beiträge von Vegetariern zur Gesellschaft? Grindcore! Okay, Grindcore trifft auf die Band gar nicht mehr zu, denn das ist ein dreckiger Bastard von Death Metal, mit manchmal mehr Grind, manchmal mehr Technik, aber immer zum Anschlag wütend und aggressiv. Und wenn Travis Ryan seinen Mund öffnet, bricht die Hölle heraus. Unglaublich, wie dieser Typ seine Growls und Schreie und Krächzer und natürlich seine großartigen klaren (!) Vocals rauskotzt. Oh, und hab ich schon erwähnt, dass das zum Fürchten wütend ist? Würdiger Gewinner!
    Beispielsong: Your Disposal

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  • So, hier sind dann auch meine persönlichen Top 10 für das abgelaufene Jahr 2011. Als kleinen Service meinerseits bekommt ihr für jedes Album eine Hörprobe, damit das Ganze nicht so trocken ist. Und weil ich ein netter Mensch bin und an eure dichten Terminpläne denke zusätzlich ein paar einführende Worte, damit ihrs schneller einschätzen könnt. Viel Spaß!

    10. In Flames – Sounds Of A Playground Fading

    Im letzten Moment doch noch hineingerutscht. Große Entwicklung durchgemacht, immer weiter weg vom Metal, funktioniert aber leider nicht immer.
    Beispielsong: Ropes

    9. Iced Earth – Dystopia

    Stu Block ist einfach das Beste was dieser Band passieren hat können, Jon Schaffer erinnert sich wieder an seine Aufgabe, gute Riffs zu schreiben, und so verzeiht man auch manche Durchhänger.

    8. Nocte Obducta – Verderbnis (Der Schnitter kratzt an jeder Tür)

    Sehr erfreuliches Comeback einer verloren geglaubten Band. Wie gewohnt wieder relativ stark verändert, mutiges und sehr abwechslungsreiches Album.

    7. Esoteric – Paragon Of Dissonance

    Are you ready for some darkness? Allerdings nicht von der witzigen oder gemütlichen Art, sondern denkbar zerstörerisch und zermürbend. Sehr langsam. Sehr unverträglich. Sehr gefährlich, aber eben so schön, wie es nur Doom Metal sein kann.
    Beispielsong: Disconsolate

    6. Primordial – Redemption At The Puritan’s Hand

    Wer hätte gedacht, dass sie nach den beiden großartigen Vorgängern und dem verdienten endgültigen Durchbruch das Niveau halten können? Tun sie aber, sehr erfreulich!

    5. Dornenreich – Flammentriebe

    Auch der nächste Platz bietet wieder Black Metal mit häufigem Klargesang, hier aber noch experimenteller und unmetallischer. Größte Überraschung in diesem musikalisch hervorragenden Jahr!

    4. Origin – Entity

    Seltsamerweise sticht ausgerechnet diese Band jetzt in meinen Top 10 heraus, war so auch nicht zu erwarten. Wär mir diesmal aber fast ein bisschen zu eingängig, songdienlich und poppig geraten. Bevor deswegen jetzt aber jemand übermütig wird, sei mir noch ein warnendes Wort erlaubt: Origin!

    3. Cynic – Carbon-Based Anatomy

    Die Herren Masvidal und Reinert gehen ihren Weg konsequent weiter, und wieder wird alles, was sie angreifen pures Gold. Kein ganzes Album, kein Metal, aber viel zu grandios, um ignoriert zu werden. Traumhaft schön, überlegt, gefühlvoll, ehrlich.

    2. Unexpect – Fables Of The Sleepless Empire

    Zirkus Death Metal? Russkaja auf Kokain? Schwer zu beschreiben, schwer zu verdauen. Wo andere Bands schon scheitern, Keyboard und Geige vernünftig in die Musik zu integrieren, sind hier außerdem noch 2 Sänger + Sängerin und ein verdammter 9-saitiger (!) Bass am Werk. Sehr komplex, vielschichtig, faszinierend und doch immer zweckdienlich und flüssig.

    1. 40 Watt Sun – The Inside Room

    Dieser erste Platz stand schon seit März so gut wie fest, aber da konnte ich noch nicht ahnen wie sehr das tatsächlich noch passen würde. Sehr reduziert. Bedächtig. Überragender Sänger. Gefühlvoll und beinahe unerträglich schön.

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