Spezialerwähnung des Jahres
Mourning Beloveth – Rust and Bone
Die Wahl ist vorbei, Facebook leert sich von all den tiefgründigen Diskussionen, Schulterklopfern und wechselseitigen Weltuntergangsszenarien etc., die wir alle zur Genüge kennen und lieben gelernt haben. Aber womit diese Leere füllen? Verzweifelt nicht! Die Top 10 sind so gut wie fertig und werden wie immer eröffnet durch die Sondererwähnung des Jahres.
Diese bekommt heuer eine Band, deren neues Album im Jänner erscheinen hätte sollen, dann aber doch schon im Dezember des Vorjahres erhältlich war und somit offiziell unter 2015 geführt wird. Dort wäre es wohl auf einem Medaillenplatz gelandet und ist damit viel zu gut, um hier durch den Rost zu fallen, noch dazu da dieses Jahr zwar prädestiniert für Doom Metal gewesen wäre, dabei aber kaum welchen bietet. Diese Band spielt ganz klassischen Doom/Death Metal, dessen tonnenschweres Fundament aus Riffs und Growls mit verträumt schwebenden Melodien in Gitarre und Gesang verwoben wird. Ein vermeintlich einfaches Rezept, hier vereint im Übergang der zerbrechlichen Sanftheit (6:47) zu der erwähnten schweren Langsamkeit (8:04) und schließlich sogar einem seltenen Ausbruch (12:13), der auf den Death Metal im Doom/Death verweist. Oder wir hören wir auf das sich durch den Anfangsteil des Liedes hindurch ständig wiederholende „Nothing happens“. Reinste Wehmut.
Als besonderes Extra hier ein Stück für diejenigen unter uns, die sich variabel auf Growls, zu langsame, zu schnelle oder zu verzerrte Musik ausreden, um nicht mit mir über Musik reden zu müssen. Ein rein akustisches Stück, ausschließlich Klargesang, das noch dazu Irland-Interessierten gefallen dürfte, die darunter mehr als schnödes St.-Patrick’s-Day-Besäufnis verstehen. Fast genau 100 Jahre nach dem irischen Osteraufstand handelt dieses Lied genau davon und vertont die letzte Strophe des wunderschönen Gedichtes „Easter, 1916“ von W. B. Yeats. Ein Klagelied, physisch schmerzhaft in seiner Wehmut.
Top 10
Die glitzernden Augen von Kindern vor dem geschmückten Christbaum – so stelle ich mir euch alle vor, wenn ihr meine Top 10 lest. Also schnappt euch eine Decke, ein warmes Getränk und macht es euch ums Lagerfeuer gemütlich. Ich erzähle euch jetzt eine Geschichte, warum eine Top 10 durchaus schon mit Platz 20 beginnen kann.
20. In Flames – Battles
Es war einmal der kleine, kurzhaarige Markus, ein etwas schüchterner, aber sonst unauffälliger Junge. Nachdem er Kontakt mit diversen Nu-Metal-Bands hatte, wollte er auch zu den „coolen“ Metal-Fans gehören und stürzte sich blindlings auf In Flames. Das hat den kleinen, unbedarften Markus meilenweit überfordert, aber er wollte eben cool sein, irgendwann gefiel es ihm und die Band wurde fortan der wichtigste Baustein seines musikalischen Werdegangs. Die alten Klassiker haben die neueren Einsteigeralben schnell überholt und so ist das neueste Album passenderweise „Battles“ betitelt. Für die Schlacht, die ich mittlerweile mit der Band austrage, und der Song „The End“ als Omen, dass ich diese Schlacht verliere? Schon die letzten Alben mit dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied waren schwierig, und das wurde danach nicht leichter. Nun sind auch noch der langjährige Schlagzeuger und erst vor wenigen Wochen der Gitarrist ausgestiegen. Ersetzt wurde Ersterer in dieser schwedischen Parade-Band durch einen Amerikaner, der noch nie in einer Metal-Band gespielt hat. Na gut. Dazu schreibt jetzt auch noch eine Riege wildfremder Produzenten an so einem Album mit und in manchen Momenten ist das noch nicht einmal schlecht, ich bin da ganz ehrlich. Ich bin schwach und willenlos, aber das gefällt mir. Teilweise. Sekunden darauf wünsche ich mir nichts sehnlicher, als die Stopptaste zu drücken und alles zu vergessen. Das Songwriting ist beschämend einfallslos und vorhersehbar, die Texte oft peinlich, aber nehmen wir diesen Song. Beginnt schnell mit Riffing das man durchaus unter Melodic Death einordnen könnte, Strophe mit Screams, Pre-Chorus mit gepresstem, hier gut gelungenem Klargesang und schließlich der langsamere Schunkel-Refrain. Wiederholt. Obligatorischer Zwischenteil mit Pflichtsolo. Pre-Chorus. Chorus. Das war vor 15 Jahren bei Linkin Park das ultimative Erfolgsrezept, aber hier ist kein Strömblad mehr, der daraus vor 10 Jahren noch richtig gute Songs machte.
Wer Zeit hat, nächster Song und Titeltrack natürlich genau gleicher Aufbau, aber als Titeltrack und geplanter Hit etwas ruhiger und melancholischer; gemacht, um zu gefallen und gefällt mir auch, aber eine Stunde lang funktioniert sowas nur schwer. Und es funktioniert nicht.
17. Unmerciful – Ravenous Impulse
In den ersten Wochen und Monaten nach X habe ich hauptsächlich Doom und Funeral Doom gehört. Danach auch wieder „normalere“, schnellere Musik, und dann veröffentlichte diese Band den Soundtrack zum zweiten Halbjahr 2016. Eine Band zusammengesetzt aus aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Origin, bei denen man den Eindruck hat, das übertechnische Virtuosentum langweile sie, und zum Ausgleich versuchen sie sich an einer Rückbesinnung auf besinnungslose Härte der Marke Dying Fetus. Eine Mischung aus Origin und Dying Fetus lässt den geneigten Hörer an dieser Stelle mit der Zunge schnalzen, und wenn das auch so nicht zutrifft, so gibt es doch genug zu hören. Überraschenderweise nicht nur von den großen Namen, sondern auch vom Sänger. Er hat zwar nicht die außergewöhnlichste Stimme, aber er macht interessante Dinge, mit denen er das Gehacke auflockert. Wir mögen es, wenn er z. B. in den Strophen den erwarteten Rhythmus bricht und die zweite und dritte Zeile zu einer verbindet (ab 0:17) oder besonders im Refrain das Stakkato über den Triolen am Ende zu den Vierteltriolen auflöst (1:29). Nichts Nobelpreisverdächtiges, aber doch erfrischend. Außerdem, der Text dazu. Wenn ich heuer auf manche eurer Fragen und Aussagen nicht geantwortet habe und euch mit vermeintlich leerem Blick angesehen hab, dann hab ich vermutlich daran gedacht. Das wütende Bellen eines Menschen, der die Geduld verloren hat. Look-in-to-my-hate-filled-eyes-and-tell-me-whatdoyousee. Genau das. Genau so. #heresnopeace
15. Omnihility – Dominion Of Misery
Zugegeben, nach traditioneller Zählweise hätte ich die Band heuer wieder auslassen müssen, aber durch das mathematische Weihnachtswunder, dessen Zeuge wir hier werden, darf ich sie euch doch noch präsentieren. Ihr selbstveröffentlichtes Debüt verschaffte ihnen einen gewissen Ruf im Underground, und unser aller Hoffnungen waren groß, als sie dann von dem einen klassischen Label für solche Fälle aufgenommen wurden und darüber ihr zweites Album veröffentlichen durften. Das konnte unsere Erwartungen aber doch nicht ganz erfüllen, und dementsprechend gespannt waren wir wohl alle auf das klischeemäßig entscheidende dritte Album. Glücklicherweise scheint dieses Gutes für ihre Zukunft zu verheißen, denn es liefert genau, was wir wollten. Unterirdisches Growling, fetttriefende Riffs und eine Rhythmusfraktion, die keine Lust auf Frieden hat. Die Musikalität geht dabei aber nicht verloren, sondern ist voll von unmelodischen Melodien und uneingängigen Ohrwürmern. Ab 2:26 oder auch 3:27 hören wir dieses Wechselspiel aus Groove, Gewalt und Griffbrettakrobatik sehr schön. In seiner ungezügelten Brutalität ganz einfach unheimlich entspannend, besänftigend geradezu.
Wenn Twitter „wenig schreiben und viele lesen’s“ bedeutet, mach ich hier dann sowas wie Anti-Twitter? „Viel schreiben und keiner liest’s?“
10. Obscura – Akróasis
Diese Band kennt man ohnehin als eine der bekannten im Technical Death Metal, aber auf dieses Album wart ihr wohl wie ich etwas gespannter als sonst. Nach dem Split mit Mr. Tech und dessen Gründen eines noch technischer fokussierten Spin-offs war unsicher, wie es mit der Band weitergehen würde, und vielleicht fürchtete so mancher von euch ebenfalls eine Melo-Death-Band, deren Eigenständigkeit mit der Technik verloren gegangen sein würde. Aber auch die verbliebenen bzw. neuen Musiker können’s glücklicherweise noch und spielen mit neu gewonnener Spielfreude, aber behaltener technischer Finesse weiterhin in der Oberliga. Wie schön sie z. B. die Melodie von 1:01 bei 1:35 im Bass wiederholen, um dann ab 1:53 das Gitarrensolo glänzen lassen. Ein warmer Sommerregen an Noten und ein Regenbogen aus Melodie.
9. Crator – The Ones Who Create. The Ones Who Destroy
Ihr mögt Origin-Spin-offs? Mit Bassisten anderer Top-10-erprobter Bands? Gorguts vielleicht? Ich hab hier was für uns. Nicht zuletzt durch den Sänger klanglich näher am Geschwindigkeitskarussell Origin als der bereits gehörte Spin-off, aber sehr viel atmosphärischer, stimmungsvoller, dunkler. Den oft erwähnten Black Metal hör ich weniger, am ehesten noch bei 1:18, wo wir zuerst sehr stimmungsvolle Gitarren haben, nur um im anschließenden schnelleren Teil die Melodieführung erst recht wieder dem Bass zu überlassen.
8. Inter Arma – Paradise Gallows
Wenn ich versuche, das hier als Mischung aus Post Metal, Black, Death, Doom und Sludge zu beschreiben, dann heißt das für den Kenner alles und damit nichts und für den Laien sowieso nichts. Also lasst uns stattdessen gemeinsam ein Bild malen. Wir stehen an einem saftig grün bewachsenen Wiesenhang, die Blumen blühen, die Bienen summen. Darüber kriecht beißend rauchender, ätzender Asphalt, quälend langsam und zähflüssig, der alles Leben unter sich erstickt. Lassen wir uns zu Beginn des Songs auf die Blumenwiese ein und warten auf 3:28, um zu hören, was wir gerade noch sahen.
7. Katatonia – The Fall Of Hearts
Die Anzahl von Worten wie „Baby“ oder „Darling“ in Texten sollte üblicherweise ein direkter Indikator für die abzulehnende Cheesiness der entsprechenden Musik sein. Aber manche Bands dürfen das nicht nur, ich erwarte das geradezu. Katatonia machen das nun schon seit Jahrzehnten so und haben sich damit in die Herzen ihrer Anhänger und (hey, ich darf gendern! Im Metal!) Anhängerinnen gespielt. Metal ist das natürlich nicht, aber eine immer wieder interessante Mischung aus Melancholic Rock und Tool. Hier wieder etwas weniger Tool und dafür mehr Herzschmerz, also genau richtig. 1:29 beispielsweise. „Darling, you had me here for a while“. Das geht Album für Album so, und ich fress‘ ihnen aus der Hand. Schaut mich nicht so an!
6. Deathspell Omega – The Synarchy Of Molten Bones
Nachdem Gorguts mit ihren vermeintlich letzten beiden Alben die Metal-Welt in Schutt und Asche gelegt haben, übernahmen Bands wie Deathspell Omega diese verkohlten Reste und übertrugen das Rezept von Death auf Black Metal. Nach sechsjähriger Wartezeit und laut gewordenen Zweifeln melden sie sich zurück und zeigen, dass weiterhin mit ihnen zu rechnen ist. Ich kenne mich in Theologie und Mythologie nicht gut genug aus, um die Texte und den Titel voll zu verstehen, aber das Bild von geschmolzenen Knochen gefällt mir ausgesprochen gut. Vielleicht klingen geschmolzene Knochen wie diese abstoßend schöne Melodie bei 5:08, die einsam gegen einen gnadenlosen Blastbeat ankämpfen muss. Und wer mit Französisch die poetische Sprache der Liebe verbindet, der höre, wie über diesem zum Scheitern verurteilten Kampf der Sänger keucht und röchelt.
5. 40 Watt Sun – Wider Than The Sky
Auch so eine Band, von der ich Herzschmerz und nichts anderes erwarte. Die grandios platzierten „Baby“ des Vorgängers fehlen hier zwar, aber ich will ihnen ja nicht den Text vorschreiben. Unter dem Namen Warning veröffentlichte der Kopf dieser Band einen Klassiker des zeitgenössischen Doom Metals, nur um die Band kurz darauf aufzulösen und mit neuem Namen, fast gleicher Besetzung und ähnlicher Musik neu zu gründen. Grund dafür war, dass er sich aus der Schublade und Vermarktung als Doom Metal lösen wollte. Und vielleicht spielte er diesen auch gar nicht mehr, wir alle dachten es nur, weil es halt rein äußerlich noch so klang. Auf diesem zweiten Album aber hat er den Sound noch weiter reduziert; die Gitarren sind kaum mehr verzerrt, der Gesang immer noch charakteristisch, aber (leider?) nicht mehr so prägnant weinerlich, und zurück bleibt das minimalistische Gerüst der Geschichten, die Patrick Walker erzählen will. Geduldig zurückhaltendes Schlagzeug im Funeral-Doom-Tempo erlaubt es, dass wir uns ab 5:57, begleitet von gefühlvollem Bass und einer kaum wahrzunehmenden Melodie, auf einen weiteren Aspekt dieser Musik konzentrieren können. Stille. Die tatsächliche Stille zwischen den abklingenden Tönen und den nächsten Anschlägen. 8:12 verdoppelt das Tempo für den Refrain, um bei 8:44 in diese fantastisch schmerzhafte Melodie überzuleiten.
Hier ist vielleicht auch ein guter Punkt, um anzumerken, dass ich üblicherweise Musik, schon gar nicht diese Art, so analytisch zerpflückend höre. Aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen ja, um selbst leichter einzusteigen und auf das lästige Denken verzichten zu können.
4. Gorguts – Pleiades’ Dust
Gorguts ist bekanntlich auch gesetzt für Platz 1 in jedem Jahr, in dem sie was veröffentlichen. So auch heuer, was mich zunehmend in Platzprobleme bringt. Die Musik sollte man nicht mehr vorstellen müssen, deshalb nur ganz kurz das Offensichtliche. Dieses Album ist eigentlich nur ein einziger Song, unterteilt zwar in unterschiedliche Teile, aber ohne scharfe Trennung. Dadurch und durch die ohnehin komplexe Musik würde man ein sehr unverdauliches Stück Kopfmusik erwarten, aber damit die Songwriting-Fähigkeiten von Luc und die Skills aller Mitglieder sträflich unterschätzen. Hörproben sind hier schwierig, aber nehmen wir die ruhige Passage bei 12:44, die sich mehr und mehr verdichtet, um dann ab 14:37 aus allen Rohren zu feuern. So ein Übergang sollte abrupt wirken, aber durch die langsame Melodie über der Raserei wirkt er sehr viel flüssiger, als er eigentlich ist.
Noch ein Wort zur Kopfmusik. Textlich wird eine Band wie Gorguts und generell Death Metal aus irgendeinem Grund oft mit Tod assoziiert. Ihr letztes Album? Tibetische Mandalas. Hier? Ein Konzeptalbum über Aufstieg und Niedergang der historischen Bibliothek von Bagdad. Auch das ist Death Metal.
3. Dawn Of Dementia – Immolation Of Avernis
Eine Band, deren Debüt-Album in Insider-Kreisen (zu denen ich uns jetzt einfach zähle) schon seit Langem erwartet wurde, aber dann doch überraschend plötzlich erschien. Und „erscheinen“ ist sowas von das falsche Wort für die Art und Weise, wie das eingeschlagen ist. Death-Metal-Alben um die 60-Minuten-Marke stehe ich üblicherweise skeptisch gegenüber, aber hiervon bekomme ich einfach nicht genug. Hypertechnischer Death Metal, der sich nicht darauf beschränkt, in separaten Soli seine Fähigkeiten zu zeigen, sondern auch in den Riffs ohne Unterlass die Tonleitern rauf und runter klettert und jedes Instrument gleichzeitig solieren lässt. Im vorsichtshalber verlinkten Song meinen wir beispielsweise, uns bei 4:05 nach dem Gitarrensolo einfach nur in den schön melodischen Riff fallen lassen zu können, bis uns klar wird, dass das Solo übergangslos vom Bass übernommen wurde und unsere Aufmerksamkeit weiter beansprucht.
Aufmerksamkeit ist ein gutes Stichwort im Hinblick auf die erwähnte vorsichtige Songwahl; wer behauptet genug davon zu haben, höre sich bitte noch den besten Song des Albums – und vielleicht des Jahres überhaupt – an. Den Titeltrack und damit das wahnwitzige 15 Minuten lange Instrumental zum Albumabschluss, das Hobby- und Profi-Musikern gleichermaßen die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. Würde ich noch Worte wie „glücklich“ oder „gut“ benützen, so am ehesten, um zu beschreiben wie man sich dabei fühlt.
2. Ulcerate – Shrines Of Paralysis
Ich bin ein sehr einfacher Mensch, gib mir bestimmte Signale und ich bin zufrieden. So ein Signal sind z. B. einzelne, heisere Schreie wie jener, der bei 2:28 die ganze Aussichtslosigkeit dieser Musik versinnbildlicht, die diese Musik darstellt. Oder jener, der die anschließende unheilverheißende Ruhe bei 3:21 zerfetzt. Sehr schön hört man auch, wie das, was Gorguts im Death Metal entwickelt und von Deathspell Omega in den Black Metal gebracht wurde, in Bands wie diesen wieder zurück in den Death Metal fand. Da noch dazu alle gleichzeitig hier vertreten sind, hört man hier bei Ulcerate schließlich auch, wie undurchdringlich dunkel musikalische Dunkelheit eigentlich sein kann. Diese Aussichtslosigkeit und Dunkelheit kann man natürlich auch zusammenfassen als schlichte, allumfassende Ablehnung. Ein simples, aber effektives „Nein“. Dieser Welt, ihren Menschen und all ihren Fragen. Nein.
1. First Fragment – Dasein
Ich sage bei manchen Dingen, dass ich schon mehr für weniger gemacht habe und denke dabei daran, wie ich vor vier Jahren ca. 10 Stunden mit dem Bus gefahren bin, um diese Band zu sehen, die ich gerade einmal von ein paar Youtube-Songs kannte. Nach dem Konzert, dem Kauf ihrer Debüt-EP und einem Plausch mit den wirklich netten Bandmitgliedern fuhr ich die gleiche Strecke wieder zurück und wusste, dass Platz 1 sowas von in Stein gemeißelt ist, wann auch immer ihr erstes volles Album fertig sein würde. Sie landeten dann sogar bei dem Label, das wir alle schon vermutet hatten, und es schien nur mehr eine Frage der Zeit zu sein. Nach allen möglichen technischen und bürokratischen Verschiebungen war es dann heuer endlich so weit. Nach all der Warterei und Idealisierung waren meine Erwartungen unrealistisch hoch und doch steht die Band jetzt an ihrem rechtmäßigen Platz. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die ähnlich virtuosen Death Metal spielen, schreibt diese hier aber noch dazu richtig gute, flüssige Songs mit unerwartet aggressivem Gesang, viel Groove und Mut zu genrefremden Experimenten. Deshalb auch an dieser Stelle kein Verweis auf ein technisches Gustostückerl, weil diese eh im ganzen restlichen Album zu finden sind, sondern darauf, wie wir bei 1:46 hören, dass die Leute studierte Musiker sind und auch diverse Gitarristen aus Flamenco oder anderen Genres als Vorbilder erwähnen.
Der englische Name und der deutsche Titel sollen des Weiteren nicht davon ablenken, dass diese Band als einer der vielen Vertreter der Death-Metal-Szene in Québec, sich dafür entschieden hat, ihr französisches Erbe auch in den Texten zu zeigen. Sie schreibt somit nicht nur wie oft zu sehen einzelne Songs, sondern das ganze Album auf Französisch. Ungewöhnlich, aber soll mir recht sein, wenn wir nur nicht wieder so lange bis zum nächsten Album warten müssen. Platz 1 bleibt wohl reserviert.

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